Lyrik

 

Letzte Aktualisierung:

 12/03/08

1. Allgemeine Merkmale lyrischer Texte

Unter den drei Grundgattungen fiktionaler Texte (Lyrik, Epik, Drama) gilt das Gedicht als das Gebilde mit der größten sprachlichen Dichte. In seinen Ursprüngen geht das Gedicht auf Zaubersprüche und Opfergesänge zurück und sollte sich aufgrund seiner eigentümlichen sprachlichen Gestalt in das Gedächtnis der Zuhörer einprägen. Der Charakter des Besonderen haftet dem Gedicht bis heute an. Kunstvolle Strukturen, aber auch die Absage an alle alltäglichen Äußerungsformen, also die größtmögliche Entfernung von einer Sprache, die den Alltag bestimmt, sind für Gedichte bis auf den heutigen Tag kennzeichnend. Der feierliche Ton, herbeigeführt durch sprachliche Mittel wie Reim, Rhythmik oder Metaphorik, aber auch der Gebrauch einer Sprache, die sich normalen Verstehensprozessen widersetzt, sind typisch für lyrische Texte.

Obwohl in allen Formen poetischer Texte antreffbar, spielen zwei Prinzipien in der theoreti­schen Lyrik-Diskussion eine besondere Rolle, die Äquivalenzstrukturen (Ähnlichkeitsstrukturen) und die Deviationsstrukturen (Abweichungsstrukturen). Bei den Äquivalenzstrukturen geht es um die Einführung zusätzlicher sprachlicher Regularitä­ten wie sie im ‚normalen‘ Sprachsystem nicht als bewusst eingesetzte Mittel anzutreffen sind. Auf der Ebene der Semantik sind das z.B. Wörter oder Phrasen mit ähnlichen Verweisungen auf bestimmte semantische Felder oder Überschneidungen im Bereich ihrer Konnotation; auf der Ebene der Syntax etwa Satzstrukturen mit Parallelismen oder anderen Ähn­lichkeits­merkmalen; auf der Ebene des Klanges ein Phänomen wie Reim oder Alliteration; auf rhythmische Überstrukturiertheit und auf graphische Äquivalenzen (z.B. Strophenbildung).

Entsprechendes lässt sich über Deviationsstrukturen festhalten. Jede natürliche Sprache verfügt über ein Sprachsystem, das durch Regeln bestimmt ist, seien diese nun formuliert oder als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Es liefert Beurteilungskriterien dafür, was als eine der Norm entsprechende sprachliche Äußerung angesehen werden kann und was als eine mehr oder minder starke Abweichung von diesem Sprachsystem empfunden wird. Wie bei den Äquivalenzbeziehungen gilt, daß der lyrische Text auf der semantischen. und syn­taktischen Ebene, aber auch auf der Ebene des Klangs und des Druckbilds abweichen kann:

 

 

Merkmale

Konsequenzen für eine Analyse

semantische Besonderheiten

hohe Bildlichkeit, Metaphorik, Symbolik

darauf achten, was die Bilder bezeichnen, in welchem Kontext sie stehen

syntaktische Besonderheiten

größere Freiheiten im Umgang mit grammatischen Regeln

erkennen und benennen  der Besonderheit, dann nach der textinternen Bedeutung des sprachlichen Regelverstoßes fragen

klangliche Besonderheiten

Reim, Alliteration, Assonanz, Konsonanz, Rhythmus, Metrum

erkennen, benennen der Besonderheit und nach dem Bedeutungszusammenhang zur semantischen und syntaktischen Konstruktion des Gedichtes fragen

graphische Besonderheiten

Strophe

Bedeutung der durch die Strophe evozierten Sinneinheit erkennen

Dass ein Text mithin als Gedicht gelesen wird, beruht auf seiner Differenz zur alltagssprachlichen Äußerung. Er erscheint als überstrukturiert auf visueller Ebene, auf lautlicher Ebene sowie auf der Ebene möglichen oder tatsächlichen Sinnpotentials.

2. Elemente poetischen Sprechens

poetische Sprache

`normale`Allltagssprache

Dominanz der poetischen Sprachfunktion

Dominanz der nichtpoetischen Sprachfunktion (Darstellung, Appell, Ausdruck)

regelverletzende oder regelübertretende Organisation des Textes:

- Normabweichung

- Zusatzstrukturen

- Aussparungen

regelkonforme Organisation des Textes

ästhetische Textsyntax

grammatische Textsyntax

Anlage von Sinnpotentialen

Enkodierung von Informationen

Entautomatisierung des Sprachgebrauchs (Verfremdung, „Vermerkwürdigung“) und Aktualisierung des Textgestalt

Mechanisierung der sprachlichen Prozesse und automatisierte Kommunikation

Polyvalenz:

- referentielle Unbestimmtheit

- relationale Komplexität

Bestimmtheit und Eindeutigkeit des Wirklichkeitsbezugs

produktive Sinnkonstitution, Rezeption als schöpferischer Akt

Dekodierung der Textbedeutung und reproduktive, einlinig-direkte Informationsentnahme

 

3. Elementare Grundformen des lyrischen Sprechens

Die Überstrukturiertheit eines Gedichts manifestiert sich im Sprachbild und im Druckbild. Ersteres wird durch das Versmaß, letzteres darüber hinaus durch die Strophe bestimmt.

Die Beachtung der einzelnen Bau- und Sinnelemente des Gedichts schlägt sich im methodischen Zugruff auf den Text und den Aufbau einer Gedichtinterpretation nieder.

[schule-am-pc] [LK-D] [Lyrik] [Metrum und Reim] [Strophe] [Gedichtanalyse] [Dramenanalyse] [Erzähltheorie] [Romananalyse] [Epochenumbrüche] [Webquests] [Links] [AMAZON-Shop] [Impressum]
wikipedia_quadrat

 

 

../Webquests/Webquest__Lyrik_nach_1945/webquest__lyrik_nach_1945.html','../Lyrik_nach_1945_Np1.jpg','../Lyrik_nach_1945_NRp2.jpg'))) , new NOF_Main_Menu(new NOF_Menu_Item('NavigationBar1_2', 'vertical', 'right', 138, 0, new NOF_Menu_Button('../Links/Deutsch/deutsch.html','../Deutsch_Np1.jpg','../Deutsch_NRp2.jpg'))) );