Strophenformen und Gedichtformen
Auch wenn in einigen Handbüchern und Schulbüchern die Differenz nicht immer deutlich wird, so ist doch zwischen Strophenform und Gedichtform zu unterscheiden. Eine Strophe besteht aus mehreren Versen, die entweder das gleiche metrische Schema (isometrisch) oder verschiedene Metren (heterometrisch) enthalten. Zur Ordnung der Strophe können Reime beitragen (müssen aber nicht). Die Strophenform wird bestimmt durch die Anzahl und die metrische Form der sie konstituierenden Verse. Die Form eines Gedichts ist wiederum ganz wesentlich geprägt durch die Anzahl der Verse im Gesamt, aber auch durch die Anzahl, die Form und die Abfolge der Strophen.
Strophenformen
Die Volksliedstrophe besteht meistens aus vier Versen. Ihr Reimschema ist a b a b, und meist wechseln weibliche und männliche Kadenzen. Die Verse bestehen oft aus vier oder drei Takten oder sie alterieren zwischen 3 und 4 Takten. Reim und Rhythmus sind häufig einfach; sie wirken musikalischuliedhaft. Das Volkslied (eine Gedichtu, keine Strophenform) besteht aus einer nicht festgelegten Anzahl von Volksliedstrophen und erfuhr seine Blütezeit in Deutschland im 14.u16. Jahrhundert sowie in der Romantik.
Die Terzine ist eine dreiversige Strophe meistens mit jambischen Fünftaktern nach dem Schema a b a / b c b / c d c / usw. In beliebig weitgehender Fortsetzung wird dabei der umschlungene Vers der ersten Terzine zum umschlingenden der zweiten. Die dreiversige Strophenform, die für sich alleine keine Reimauflösung herbeiführen kann, wirkt bisweilen unruhig und weitertreibend.
Vergleichsweise selten findet man in der deutschsprachigen Lyrik eine fünfversige Gedichtform. Die Reimverteilung ist mannigfaltig: a a b a b oder a a b b a usw.. In der Form liegt die Bedingung, dass der fünfte Vers von besonderem Gewicht sein muss.
Die Stanze ist eine achtversige Strophe und gilt als besonders anspruchsvoll. Ihr Reimschema ist a b a b a b c c. In der deutschsprachigen Lyrik ist der Vers in der Regel als fünfhebiger Jambus gebaut mit weiblicher Kadenz. Die Strophe ist häufig durch eine klare Zweiteiligkeit geprägt.
Als Quartett und Terzett bezeichnet man den vieru bzw. dreiversigen Aufbau einer Strophe, ohne die Strophe darüber hinaus formal zu bestimmen.
Die Familie der klassischen Strophenformen
Das Distichon setzt sich aus einem Hexameter und einem Pentameter zusammen. So gebraucht, eignet es sich für prägnante Sprüche, die ihre Blütezeit während der Zusammenarbeit von Goethe und Schiller erfuhr.
Die Ode umfaßt verschiedene 4uversige Strophenformen, unter denen elfsilbige Verse mit genau festgelegten Versfüßen vorherrschen. Das strenge Versmaß veranlasst zu getragenem Sprechen; es eignet sich zum Ausdruck von Erhabenem, Feierlichem, Bedeutungsvollen. Die drei bekanntesten Odenformen sind:
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die Sapphische Ode
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b u / b u / b u u / b u / b u b u / b u / b u u / b u / b u b u / b u / b u u / b u / b u b u u / b u
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Vor dem Abwurf. Noch auf dem Lederhandschuh Sitzt der Falke, träumend. Der Schein von Blitzen Wetterleuchtet durch sein Gemüt. Er zittert. Gern sieht’s der Jäger.
(Britting: Die Jäger)
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die Alkäische Ode
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u b u / b u / b u u / b u / b u b u / b u / b u u / b u / b u / b u / b u / b u / b u b u u / b u u / b u / b u
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Nur einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen! Und einen Herbst zu reifem gesange mir, Daß williger mein Herz, vom süßem Spiele gesättigt, dann mir sterbe!
(Hölderlin: An die Parzen)
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die Asklepiadeische Ode
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b u / b u u / b // b u u / b u / b b u / b u u / b //b u u / b u / b b u / b u u / b u b u / b u u / b u / b
(b = betont; u = unbetont)
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Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht, auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht, Das den großen Gedanken Deiner Schöpfung noch einmal denkt.
(Klopstock: Der Zürchersee)
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Der Begriff der Ode wird – nicht zuletzt aufgrund der äußerst kunstvollen Fügung – sehr häufig komplementär als Begriff für eine Strophenform, aber auch für eine Gedichtform verwandt.
Gedichtformen
Die Hymne ist von ihrer metrischen Form her nicht genau zu bestimmen und nicht exakt gegen die Ode abzugrenzen. In ihren Anfängen in der Antike war sie ein feierlicher Lobgesang auf einen Gott, einen Helden oder einen Sieger im sportlichen Wettkampf. Die Hymne ist mithin ein Preis- und Lobgedicht, ihre Merkmale sind eher inhaltlich als formal zu bestimmen.
Die Elegie ist eine Gedichtform, bestehend aus einer Aneinanderreihung von Distichen (s.o.).
Das Sonett zählt zu den strengsten Gedichtformen. Es besteht aus zwei Quartetten und zwei Terzetten (selten auch aus 3 Quartetten und einem abschließenden Zweiverser mit Paarreim).Die Quartette reimen in der Regel a b b a // a b b a // c d c // d c d. Die starke Zäsur zwischen den Quartetten und den Terzetten ermöglicht verschiedene inhaltliche Varianten: z.B. These und Gegenthese, Frage und Antwort, Problem und Lösung.
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